Der Traum vom Monddiamanten – Magic Thai Goblin’s Yunib
Eigentlich waren wir zufrieden mit unseren zwei Sibirischen Waldkatzen, ein Geschwisterpärchen, so wie es sich gehört.
Eigentlich sollten es auch nie mehr als zwei Katzen werden.
Dennoch ging uns der Kindheitstraum von einer Thaikatze nicht aus dem Sinn.
Thaikatzen mit ihrem charakteristischen Fellmuster, ihren mysteriösen blauen Augen – gepriesen für grazile Schönheit, eine der intelligentesten Katzenrassen der Welt, entsprechend sozial, sensibel und anspruchsvoll, hundeartig in ihrer Loyalität, Erziehbarkeit und Menschenbezogenheit, Quasselstrippen, Akrobaten und Kampfschmuser.
Wir sahen unsere zwei Sibirer an: Schwester und Bruder, jung, hübsch, energisch, lieblich, weltoffen, gesund und rundum zufrieden – die besten Voraussetzungen für ein neues Abenteuer.
Und so machten wir uns nach und nach auf die Suche nach einem dieser mystischen Monddiamanten. „Es muss nichts Außergewöhnliches sein,“ hieß es zunächst unter uns, „nichts Prestigeträchtiges. Einfach nur eine richtige Thai.“ Felsenfeste Grundkriterien waren für uns seit je her beste Gesundheit und liebevolles Temperament. Alles andere ließe sich verhandeln.
Es wurde recherchiert, Catteries wurden besucht, es wurde hin und her überlegt. So richtig entsprach das Erlebte nicht den Vorstellungen.
Um unsere Grundkriterien garantieren zu können, brauchte es mehr Kriterien: Seriosität des Ursprungs, fundiertes Fachwissen, ein katzengerechtes Umfeld zur Zucht und Aufzucht, gute Sozialisierung, optimale medizinische Versorgung und nicht zuletzt verlässliche, transparente Kommunikation.
Also gut, dann musste es vielleicht doch etwas mehr Prestige sein. Und so kontaktierte man dann Carola Hopfe. Die Texte auf der Homepage von Magic Thai Goblin’s nutzte man schließlich schon seit Jahren als Enzyklopädie und die Fotos auf den sozialen Medien machten schon immer sehnsüchtig. So, stellte man fest, sah Seriosität aus.
Dann ging alles ganz flüssig. Man sah die Videos und war praktisch schockverliebt in den gesamten Wurf und – wie es trotz aller Bemühungen um Objektivität immer so ist – in ein Kitten insbesondere. Man sprach nicht darüber, machte keine Aussagen zu Individuen, um Carolas geschultes Auge nicht zu beeinflussen. Denn die Auswahl anhand der Grundkriterien sollte der Profi treffen. Der Charakter musste passen. Die Optik war letztrangig. Behutsam und sorgfältig ließ Carola sich und den Kitten Zeit. Als sie acht Wochen alt waren, kam eine Ersteinschätzung: „Das könnte euer Kitten sein.“
Die Herzen schlugen höher, denn siehe da: Es war das Kitten mit dem blauen Halsband, das uns vom ersten Video an die Köpfe verdreht hatte.
Nach all dem Suchen und Lernen und Hoffen und Warten kam endlich das Traumkitten nach Hause. Sogar den Züchternamen durften wir selbst bestimmen.
Magic Thai Goblin’s Yunbi („strahlend mysteriöse Schönheit“), ein überraschend großes, knieerweichend hübsches seal point Katerchen, eroberte laut schnurrend und urkomisch nasal brummend in Windeseile Schöße, Schultern, Betten und Herzen.
Seine sibirische Schwester und sein Neva Masquerade Bruder wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Fünf Tage nach Ankunft lag er bereits mit ihnen in der Kuschelhöhle und raste mit ihnen über die Kratzbäume und Catwalks.
Seine Schönheit könnte Poeten beflügeln. Seine Augen allein lassen verstehen, warum diese Katzen in ihrem Herkunftsland Monddiamanten genannt werden und als Glückskatzen gelten.
Faszinierenderweise ist Yunbi enorm fotogen. Er weiß es, sich in Szene zu setzen, Posen zu halten und in die Kamera zu schauen. Wie ein Schauspieler hat er dabei tausend Gesichter: mal ein eleganter und würdevoller Adelsmann, mal ein zuckersüßes Baby mit comicartig großen Kulleraugen, dann ein ulkiger Sitcom-Clown mit den witzigsten Grimassen.
Da soll nochmal jemand sagen, dass Katzen ausdruckslos sind.
Für Leckerlis würde Yunbi durchs Feuer gehen: Bürsten? Zähneputzen? Täglich!
Kaum hat man geblinzelt, schon lernt er neue Tricks, gibt rechte und linke Pfote, High-Five, macht Männchen, gibt Küsschen, wartet und kommt auf Kommando, springt durch Reifen, Arme und auf die Schulter, läuft im Slalom –
Zum Zirkus braucht man nicht mehr, hat man ja inzwischen zu Hause.
Neu für uns waren diese intensive Konzentration, mit der er Tricks lernt und Körperpflege duldet. Dies hatte unerwartete Konsequenzen. Tatsächlich müssen wir nun genau auf Genre und Thematik von Filmen achten, denn an Kinoabenden sitzt er in der ersten Reihe, und während die Sibirer schlummern, lässt Yunbi sich nichts entgehen.
Dabei versteht er alles und hat einen erlesenen Geschmack entwickelt: Wie jede Katze mag er zwar Bewegung auf dem Bildschirm, allerdings genießt er insbesondere tiefe Dialoge in Dramen mit großen Gefühlen und in psychologischen Thrillern mit Nervenkitzel. Animationsfilme sind nicht sein Ding, zu kindisch.
Wenn jedoch Bösewichte und Monster lauthals die Altersfreigabe anheben, verkrümelt er sich und verarbeitet es noch lange in seinen Träumen.
Yunbi verkündet stets eindeutig, was im gefällt und was nicht. Straßenlärm, Staubsauger, Sirenen, Silvesterfeuerwerk – alles kein Thema, aber bloß keine Spielangel mit Glöckchen! Dann wird lautstark gemeckert und rückwärts unter dem Klaviersitz eingeparkt.
Fit, extrovertiert, intelligent, motiviert, verkuschelt, sensibel, individuell und speziell.
Ein Traum. Eine richtige Thai. Ein Magic Thai Goblin eben.








