Dosenöffnerbericht Teil 2 von Magic Thai Goblin’s Eliah und Enias (Jiri)

Erlebnisberichte

25. Dezember 2017

Seit fast elf Monaten sind Eliah und Jiri (Enias) nun bei uns. Seit Ende September pendeln sie nicht mehr mit mir von Montags bis Freitags zu einer Zweitwohnung, weil ich nicht mehr arbeite. Von den kleinen Jungs, die mächtigen Respekt vor dem großen, alten Felice hatten, haben sie sich zu sehr selbstbewussten Geschöpfen entwickelt. Sie sorgen dafür, dass es rund geht in unserem Haus. Eliah hat Jiri nicht nur gewichtsmäßig überholt, Er bringt nun fast fünf Kilo auf die Waage statt 1.800 Gramm und hat Jiri damit um fast ein Pfund überholt. Er lässt sich auch in den brüderlichen Rangeleien, die zum Kateralltag gehören, die Butter nicht vom Brot nehmen, sondern behauptet sich zusehends. Während ich dies schreibe, liegen beide neben mir im Bett und sind mit sich und der Welt sichtlich zufrieden. Reinette und ich freuen uns, dass es uns gelungen ist, den beiden etwas zu schenken, das uns auch in unserem kleinen Dorf abseits des Trubels menschlichen Alltags nur unvollkommen gelingt: Ein Leben, das voll und ganz von Schnurren, Entspannung, Rundum-Service durch uns beide und Harmonie bestimmt ist. Auch wir Zweibeiner aber werden von den kleinen Tigern reich beschenkt mit Erlebnissen, die nur Katzen schenken können.

Dunkler sind sie geworden im Laufe dieses Jahres, wie man auf den Fotos erkennen kann. Das liegt wohl an der Kastration. Wären sie Freigänger, wären sie heller geblieben. Sagen jedenfalls manche Thai-Experten. Andere meinen genau das Gegengeil. Bei dieser und allen anderen Fragen die wir haben, berät uns die Ziehmutter unserer Jungs. Caroline, jedenfalls nach wie vor.

Ich unterhalte mich mit den beiden gern in ihrer eigenen Sprache. Das regt vor allem Jiri dazu an, ausgiebig zu antworten. So maunzen wir manchmal um die Wette. Siehe http://www.einfachtierisch.de/katzen/katzenhaltung/6-verschiedene-miau-laute-und-was-sie-bedeuten-id100086/ und http://www.hauspuma.de/Wesen/Lautsprache.html.

Thais sind ja in dieser Hinsicht besonders Kommunikativ. Manchmal vergesse ich, auf menschliche Kommunikation umzuschalten, wenn ich mich mit Reinette unterhalte. Zum Beispiel neulich, als ich sie auf dem Parkplatz von Aldi rufen wollte. Der Mann, der im Vorbeigehen meinen Piepston mitbekam, schaute ziemlich entgeistert an und schien zu denken „Der hat ja wohl einen nassen Keks im Schuh“.

Wie verschieden Jiri und Eliah sind, lässt sich schwer mit der Theorie vereinbaren, dass Lebewesen als unbeschriebenes „weißes Blatt“ auf die Welt kommen und ihre Persönlichkeit weitestgehend durch Umwelteinflüsse geformt wird. Die beiden haben dieselben Eltern und außerdem ihr gesamtes Leben gemeinsam verbracht. Sie müssten sich also parallel entwickelt haben. Sie sind aber völlig unterschiedlich. Zum Beispiel bei ihren Lautäußerungen. Jiri begnügt sich weitgehend mit kurzen „Piepsern“. Eliah neigt zu längeren Lautmelodien. Jiri wälzt sich gern minutenlang auf dem blanken Zimmerboden, auf den Korkplatten des Schlafzimmers genauso wie auf den Küchenfliesen. Eliah hat das noch kein einziges Mal getan. Jiri schläft in den extravagantesten Positionen, die für menschliche Augen wie unbequeme Verrenkungen aussehen. Eliah bevorzugt meist die Embryonalhaltung wie einst in Marthas Bauch. Eliah ist beim Schmusen draufgängerisch und leckt uns gerne das Gesicht ab. Jiri ist eher vornehm-zurückhaltend, schnurrt aber umso lauter. Die Unterschiede werden auch beim Umgang mit einem Intelligenzspielzeug deutlich. Dabei haben sie gelernt, Leckerlis aus unterschiedlich großen Vertiefungen mit unterschiedlichen Methoden herauszuholen. Aus der größten einfach, indem sie den Kopf hineinstecken und mit den Zähnen zupacken; aus kleineren, indem sie sie mit der Pfote herausangeln; aus kleinen Bechern, die auf biegsamen „Stengeln“ sitzen, indem sie sie zur Seite biegen und dann plötzlich loslassen, damit der Inhalt beim Zurückschnellen herausfliegt. Eliah hatte im Gegensatz zuerst Probleme, letzteres zu kapieren. Dass er dadurch immer leer ausging, hat ihn aber dazu gebracht, den Trick doch noch zu bewältigen. Jiri dagegen, der als erster auf den Trichter kam, ist mittlerweile zu bequem, das Kunststück zu versuchen und begnügt sich damit, seinem Bruder die Beutestücke abzujagen, die dieser aus den Bechern herausbefördert.

Wie bei allen unseren früheren Tigern hat sich herausgestellt, dass einfache Spielzeuge den beiden genauso viel Spaß machen wie gekaufte. Die Kerne von Haushaltspapier- und Toilettenpapierrollen eignen sich auch hervorragend als Mittel gegen Langeweile (siehe zum Beispiel https://deavita.com/bastelideen/katzenspielzeug-selber-basteln-fummelbretthtml und https://cocoundnanju.de/katzenspielzeug-klopapierrollen-basteln/). Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die Achterbahn, in der eine Kugel sich bewegt, die nach jedem Anstoß rote Lichtblitze ausstrahlt (http://www.bitiba.de/shop/katze/katzenspielzeug/beschaeftigungsspielzeug/spielschiene/498089). Beide Jungs sind absolut verrückt danach. Das liegt unter anderem am Buckel in der Mitte. Wird die Kugel „normal“ angeschubst, schafft sie die Steigung nicht, sondern kommt wieder zurückgerollt. Ist der Abstoß stärker, überwindet sie den Hügel und trifft den auf sie lauernden Kater, der in einer der Bahnschleifen liegt, unerwartet von hinten.

Mit drei Tieren hatten wir das Jahr 2017 begonnen. Binnen fünf Monaten mussten wir akzeptieren, dass für unsere alten Kater Bijou und Felice und auch unsere Hündin Farouche das Ende des gemeinsamen Weges gekommen war.

Trotzdem werden wir das Jahr auch mit drei Tieren beenden. Wir hatten uns überlegt, wieder ein Hundemädel zu uns zu holen. Seit ein paar Tagen hat sich das weibliche Element in unserem Haus ganz anders verstärkt. Der Zuwachs heißt Giulietta und ist drei Monate alt. Eliah und Jiri haben eine Katzenschwester bekommen. Eine Gefährtin, die nach Jahrzehnten nicht nur unsere erste Kätzin ist. Auch ihr Aussehen ist für uns etwas ganz Neues. Wäre nicht die Sache mit dem geplanten Hund gewesen, würde jetzt vielleicht ein Thaimädchen bei uns leben.  Wir lieben die Rasse Thai auch nach wie vor. Aber auch Ragdoll-Mütter haben Töchter, in die man sich verlieben kann. Giulietta und bereichert seit dem 8. Dezember unseren Alltag. Wie es dazu kam, dass es keine Thaikatze ist, ist eine lange Geschichte. Eigentlich sollte Farouche ja eine Hundedame als Nachfolgerin bekommen. Der Gedanke, eine kleine Tigerin ins Haus zu holen, wurde deshalb trotz der verlockenden Aussicht auf eine süße Thailänderin zurückgestellt. Dann fiel die Entscheidung aus verschiedenen Gründen gegen einen neuen Hund. Und das Schicksal griff in Gestalt der Information aus dem Internet ein, dass ein nicht einmal allzu weit entfernt im September geborenes Katzenmädel noch ein neues Zuhause suchte. Wir haben uns für eine andere Rasse auch deshalb entschieden, weil unseren beiden wilden Burschen auch ein vielleicht etwas ruhigeres Gegenstück nicht schaden wird. Seit dem 8. Dezember ist Giulietta bei uns. Sie ist Seal Point Bicolor, wog am 9. Dezember 1.200 Gramm und hat in der ersten Woche 70 Gramm zugenommen. Sie wird unseren Buben nicht über den Kopf wachsen, weil ihre Eltern eher kleine Vertreter dieser großen Katzenrasse sind und die Damen ohnehin nicht solche Schwergewichte werden wie die Ragdoll-Herren.

Gegen 14:00 Uhr kamen wir am 8. Dezember mit ihr Zuhause an. Nach zehn Minuten herumschnüffeln zog sie sich diskret zurück, und bis zum nächsten Morgen haben wir sie kaum noch gesehen. An dem Tag gab es dann den ersten Blickkontakt. Sie stand im Wohnzimmer vor der offenen Tür zum Flur. Die Jungs kamen die Treppe runter. Sie näherten sich ihr bis auf anderthalb Meter und guckten ebenso erstaunt wie vorsichtig. Irgendwas hat die Herren dann so erschreckt, dass sie fluchtartig Reißaus genommen haben. Sie sind förmlich nach oben gestürmt. Am dritten Tag kamen sie der Prinzessin dann aber zwar langsam näher, fauchten aber noch des Öfteren. Sie liefen alle umeinander herum wie eben die Katze um den heißen Brei.

Am vierten Tag sah morgens alles schon viel besser aus und verbesserte sich im Lauf des Tages noch beträchtlich. Zur schnellen Gewöhnung hat sicherlich beigetragen, dass wir Geduld mit ihnen hatten und dass Giulietta eine ebenso starke Persönlichkeit ist wie die beiden Burschen und nie Angst gezeigt hat. Mittlerweile liefern die drei sich wilde Jagden, wobei das Mädel die Jungs genauso durchs Haus scheucht wie umgekehrt. Meist aber schmust man ausgiebig. Jiri und Eliah prügeln sich zwar nach wie vor nur gegenseitig, aber seltener. Mädchen verprügelt man halt nicht als wohlerzogener Kater. Man neckt sie bestenfalls ein wenig. Jiri beschäftigt sich intensiver mit Giulietta als Eliah, aber auch der mag sie sehr. Die Kontakte laufen in allen erdenklichen Kombinationen. Wir haben nicht nur uns, sondern auch Jiri und Eliah einen Gefallen getan mit dem dritten Katzentier. Drei Stubentiger sind eine unglaubliche Bereicherung gegenüber „nur“ zweien. Ein paar Hinweise, wie man Katzen aneinander gewöhnt, gibt es übrigens bei https://www.katzenkram.net/katzen-tipps-tricks/katzen-aneinander-gewoehnen/

Das einzige Problem im Zusammenleben ist jetzt noch, dass sie getrennt von den Jungs fressen muss. Wenn sie zusammen sind, müssen wir die Kater immer wieder sanft abwehren, wenn die an ihren Napf wollen, und man soll ja möglichst wenig eingreifen in kätzische Beziehungsgeflechte. Also frisst sie das meiste getrennt von ihnen. Wenn sie mal an die Katernäpfe kommt, langt sie dort übrigens auch zu, das kleine Persönchen.

Zu guter letzt noch eine Episode aus unserem Alltag. Berühmte Fußballer kommen ohne Familiennamen aus. Was einst für Pele galt, war später für Ronaldo und Cafu nicht anders. Weniger bekannt ist Eliah. Ein Torwart steht halt nicht so im Rampenlicht wie Stars, die Tore schießen. Aber Eliahs Paraden müssen sich vor denen anderer Keeper nicht verstecken, nur weil er statt Bällen Plüschmäuse fängt. Kein Schuss ist ihm zu hoch, keine Beute fliegt ihm zu schnell. Alles, was irgendwie katermöglich ist, greift er mit seinen Krallen oder boxt es geradewegs zurück. Aber auch große Stars haben schwache Momente. Neulich spürte ich morgens im Bett noch im Halbschlaf etwas Nasses am Bein. Ein Blick aufs Laken offenbarte nach dem Einschalten des Lichts einen doppelt handtellergroßen feuchten Fleck. Daneben saß der zerknirscht dreinblickende Eliah. Er wird doch nicht etwa… Mitnichten. Mitten im Fleck lag nämlich seine triefend nasse Torwartlieblingsmaus. Er hatte sie wieder einmal im Wassernapf ertränkt und dann in aller Frühe ins Bett gebracht, damit ich sie ihm wieder trockne. Geduldig wie stets wartete er wer weiß wie lange schon auf meine Hilfe. Ein paar Minuten fönen brachte das Malheur aus der Welt. Die Moral von der Geschicht: Wer sein Leben mit kleinen Tigern teilt, muss darauf gefasst sein, dass sie auch auf unerwartete Weise „Freude“ ins Leben bringen. Aber Langeweile hat er garantiert nicht.

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